In der zwischenmenschlichen Kommunikation kann einiges schieflaufen. Missverständnisse, Streitgespräche und endlose Diskussionen scheinen manchmal unvermeidlich. Die Gewaltfreie Kommunikation hilft, auf den Punkt zu kommen und Gefühle eindeutig auszudrücken, ohne zu verletzen. Wer sich gegenseitig respektiert und diese Achtung in Worte fassen kann, findet Zugänge zu den Mitmenschen und kann Konflikte besser lösen.
Das Geschehen neutral beobachten
Oft vermischen sich Fakten und Gefühle. Hinterlässt der Sohn die Küche im Chaos, greifen wir schnell zu Worten wie: „Wenn du nicht so schlampig wärst, würde die Küche nicht wie ein Schweinestall aussehen!“ Die unaufgeräumte Küche und die Bewertung des Gegenübers sind hier untrennbar miteinander vermischt.
Der Sohn fühlt sich kritisiert und wird zum Gegenangriff übergehen. Eine sachliche Formulierung ist dagegen viel leichter verdaulich: „Gestern Abend hast du dein Geschirr nicht abgespült und es stand auch am nächsten Tag in der Spüle.“ Dieser Tatsache wird der Sohn zustimmen können, ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen.
Gefühle verantwortungsvoll ausdrücken
Die Beobachtung des Geschehens reicht noch nicht aus, um einen Konflikt zu lösen. Die beteiligten Gefühle müssen schließlich auch gesehen und besprochen werden. Dabei platzt uns manchmal der Kragen: „Ich bin stinksauer, weil du alles stehen und liegen lässt.“ Drücken wir uns so aus, übernehmen wir keine Verantwortung für unsere Gefühle und geben dem anderen die Schuld an unserem Ärger.
Sehen wir jedoch, dass die Gefühle durch unsere unerfüllten Bedürfnisse entstehen, sind ganz andere Formulierungen möglich: „Wenn ich die dreckigen Teller sehe, fühle ich mich frustriert.“ Der Sachverhalt wird mit den Gefühlen verbunden: Nicht der Sohn ist schuld an unserer Frustration, sondern die Umstände.
Bedürfnisse ohne Schuldzuweisungen benennen
Können wir einen Grund für die Gefühle nennen, wird der Sohn uns aller Wahrscheinlichkeit nach Verständnis entgegenbringen. Eine verantwortungsvolle Formulierung klingt etwa so: „Ich bin frustriert, weil mir Ordnung und Sauberkeit so wichtig sind.“ Der Schuh drückt, weil ein Bedürfnis unerfüllt bleibt – nicht weil der Sohn ein schlechter Mensch ist. Sind auch die Maßstäbe verschieden, so wünscht sich doch jeder Mensch Ordnung um sich herum. In dieses Bedürfnis kann sich jeder einfühlen und es nachvollziehen.
Bitten respektvoll formulieren
Die Situation haben wir jetzt sachlich und fair erläutert. Aber schließlich wollen wir, dass sich etwas ändert: Wir wollen eine saubere Küche benutzen. Dieses Ziel erreichen wir nicht, wenn wir solche Ausdrücke verwenden: „Wenn dein Geschirr nicht morgen abgespült wurde, schmeiß ich es raus!“ Nach einer solchen Bemerkung fühlt sich das Gegenüber in die Enge getrieben.
Sehen wir jedoch die Bedürfnisse des anderen und gehen auf sie ein, eröffnen sich neue Perspektiven. „Könntest du bitte dein Geschirr nach dem Abendessen abspülen? Wenn nicht, sollten wir eine Lösung finden, mit der wir beide gut leben können.“ Wir geben unserem Mitmenschen den Raum, die Bitte abzulehnen und sind bereit, Kompromisse einzugehen. Unser Gegenüber fühlt sich respektiert und ist bereit, uns ebenfalls Respekt zu zollen.



